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Unterrichtsalltag

Jetzt bin ich schon fast einen Monat im Dorf. Heute beginnen die Fiestas ( 40. Geburtstag des Dorfes), die drei Tage andauern werden. Die Leute haben sich echt wahnsinnig vorbereitet: Die Kirche wurde gestrichen, wobei wir natürlich auch geholfen haben, die Häuser ebenfalls, neue Kleidung wurde gekauft, alles aufgeräumt, die SchülerInnen der Escuela und des Colegios haben Präsentationen vorbereitet und auch wir werden  zum ersten Mal auftreten.
In der ersten Woche hatten wir unglaublich viele SchülerInnen (ca. 50) im Alter von 4-13 Jahren, das war echt der blanke Wahnsinn, aber in der zweiten Woche, hat sich die Zahl auf ein bisschen mehr als die Hälfte reduziert und so langsam funktioniert auch der Stundenplan, den wir ausgearbeitet haben. Wir geben Unterricht von Montag bis Donnerstag. Um 15:00 Uhr fangen wir mit den Kindern in einer Gruppenstunde an. Da wird dann ein wenig gesungen, ein bisschen geklatscht, ein paar Noten gelesen, um ein grundlegendes Verständnis von Musik zu schaffen. In diesen Stunden habe ich mich immer ein wenig untätig gefühlt, weil ich noch keine Erfahrung mit Gruppenunterricht habe und  Luisa und Jerome glücklicherweise einfallsreicher und erfahrener sind. Wir haben z.B. angefangen, Früchte zu klopfen (Maracuja, Mango, Platano). Das heißt, dass die Maracuja die Schläge einer Viertel hat, die Mango Halbe, und Platano zwei Viertel und eine Halbe… Außerdem haben wir einige deutsche Lieder übersetzt und singen jetzt „Der Hahn ist tot“ auf Spanisch, der Lied ist voll der Renner geworden…
Danach geht es um 16 Uhr los mit Einzelunterricht bzw. Instrumentalunterricht in Kleingruppen, die SchülerInnen kommen zweimal die Woche, sodass ich montags und mittwochs Klavier unterrichte und dienstags und donnerstags Flöte. Meistens pickt man sich dann einen oder zwei SchülerInnen heraus, mit denen man etwas machen möchte, und schickt die anderen heraus zum Spielen. Meine Mama hatte echt die geniale Idee, einen Fußball und einiges an Spielzeug mitzunehmen; das finden die Kinder total klasse!
Ich hätte nicht gedacht, dass schon in den ersten Stunden auffällt, wer schnell und wer langsam lernt, deshalb muss ich auch ständig meinen Unterricht anpassen. Es funktioniert bislang einfach nicht, mit einer Klavierschule zu arbeiten. Der Bassschlüssel verwirrt die Leute, sodass ich den erst einmal komplett weglasse. Mit einigen SchülernInnen spiele ich „Freude schöner Götterfunken“ (was die hier auch kennen), mit einigen denken wir uns eigene Lieder aus, für einige komponiere ich ganz kleine Lieder mit Text natürlich (Text ist superwichtig!) zum Nachspielen. In den ersten Stunden war ich vollkommen überfordert mit Unterrichten, da ich keine Ahnung von Methodik habe, aber so langsam habe ich Ideen, mal abwarten, ob sie funktionieren. Bislang habe ich herausgefunden, was NICHT funktioniert…

Der Flötenunterricht läeft auch ganz gut, gelegentlich etwas schrill fuer meine Ohren, aber auf jeden Fall  habe ich da mit Notenlesen angefangen und nach 6 Stunden mit der Note H haben sie nun langsam begriffen, wie man das H spielt.
Generell kann ich gar nicht glauben, dass ich jetzt 8 Monate unterrichten werde. Manchmal ist es sehr schön, kleine Fortschritte zu sehen, aber an manchen Tagen habe ich auch überhaupt keine Lust mehr und sehne mich nur nach einer Pause.
Um 18:00 Uhr ist dann Ende für die Kinder, meistens spielen wir noch kurz ein bisschen Fußball oder so. Dann gehen wir schnell nach Hause zum Abendbrot und um 19:30 geht es dann weiter mit den Erwachsenen. Auch da gibt es erst eine Gruppenstunde (aber nur montags und mittwochs) und danach Klavier- und Gitarrenunterricht.
Schwierig ist momentan, dass die Leute sehr ungeduldig sind, sofort Lieder lernen wollen und noch niemand kapiert, dass das alles Zeit braucht. Die Vorstellung von Musik ist hier ganz anders, hier spielt man einfach, und es ist nicht wie in Deutschland, wo es sich erst nach Jahren gut anhören darf. Auf der einen Seite funktioniert es schon ganz gut, ihnen Akkorde beizubringen, aber irgendwann sind Fortschritte langsamer sichtbar und es wird anstrengend, die SchülerInnen motiviert zu halten… Wir machen Montag ein Treffen mit allen SchülerInnen und Eltern, da werden wir auf jeden Fall das und noch ganz viel mehr ansprechen.
Wir hatten nämlich auch ein Problem mit der „Bezahlung“. Die Leute aus dem Dorf rieten uns, einen monatlichen Betrag von den SchülerInnen einzufordern. Zum einen sollte so der Wert des  Unterrichts geschätzt werden, zum anderen sollte unsere Versorgung mit Lebensmitteln sichergestellt werden. Der Betrag sollte also keine Bezahlung für den Unterricht darstellen, sondern lediglich die Gegenleistung, unsere Versorgung zu gewährleisten. In Guayaquil ist z.B. die Gegenleistung, dass die Freiwilligen in Gastfamilien leben.Im Endeffekt hat aber niemand gezahlt, weil viele Familien dann doch nicht die angepeilten 10 Dollar aufbringen konnten. Deshalb wollen wir die Idee mit dem Geld jetzt lassen. Vielleicht können die Leute uns direkt Lebensmittel, die sie übrig haben, geben, der eine gibt uns dann Orangen, der nächste Reis, je nachdem… Mal sehen, ob das besser funktioniert!
Achja, den Freitag haben wir freigehalten, um in einiger Zeit irgendwelche Bands/ Orchester eröffnen zu können.

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